VON OBSZÖNEN NACKTSCHNECKEN UND ATHEISTISCHEM FEDERVIEH

Viel Beifall gab es auf der Studiobühne für das musikalische Lyrik-Programm ‚48 Tiere‘ von Königs & Mono

Lyrik liegt voll im Trend. Wenn sie auch noch witzig und dazu mit Musik unterlegt ist, kann eigentlich nichts schiefgehen. Und so gab es am Donnerstag auf der Lippstädter Studiobühne für das Duo Königs & Mono stakkatoartigen Applaus. „Irgendwo zwischen Comedy, Poetry und musikalischer Nostalgie“ ordnen die beiden Künstler ihr Programm selbst ein. 48 Tiere werden in jeweils zehnzeiligen Versen unter die Lupe genommen. Es sind Texte voller amüsanter Wortspielereien, wie der Reim vom Bauern, der die Scholle liebt, vor allem freitags und mit Kartoffeln. (…) Die Verse erinnern ein bisschen an den Stil von James Krüss, Ringelnatz, Busch und Morgenstern. Und sie sind überaus unterhaltsam, auch wenn’s immer wieder makabre Pointen gibt. (…) Ein Running Gag ist das fette Sparschwein inmitten einer Armada an Kuscheltiere, die als Bühnendekoration dienen. Immer, wenn ein Witz, eine Pointe, den beiden Interpreten selbst als zu platt oder unverständlich erscheint, kommt ein Euro in die Porzellan-Sau. Zur Freude des Publikums geschieht das an diesem Abend des Öfteren. Die Interpreten scheuen sich nicht, auch Themen wie Massentierhaltung mit einzubeziehen. Beispielsweise das Schicksal der Hühner, für die es täglich heiße „Brüten oder Braten“. (…) Das Duo kommt nicht ohne mehrere Zugaben von der Bühne.

Helga Wissing, Der Patriot – Lippstädter Zeitung, 30.04.2022
(übrigens kein national-rechtes Blatt! Der Name der Zeitung stammt tatsächlich aus dem Jahre 1848 und ist somit über jeden Verdacht erhaben…)

„K wie Komik“,

das war für Robert Gernhardt (1937 – 2002) lange das wichtigste Bindeglied des eigenen lyrischen Schaffens. Der heute als einer der bedeutendsten zeitgenössischen deutschen Dichter geltende Schriftsteller hätte deshalb sicher seine helle Freude am Programm „48 Tiere“ gehabt, das der Lippstädter „daktiker“ Hans-Peter Königs und sein Arnsberger Bruder im Geiste Thomas Mono am 28.04. auf die gut besuchte Studiobühne brachten. Das Duo hatte seine Gedanken zu allem, was da so kreucht und fleucht, zu humorvollen Zehnzeilern verarbeitet. (…) Auch ungewöhnliche Vertreter der Fauna wie die Zeitungs-Ente und der Wasserhahn kamen zu ihrem Recht. Da wurde munter drauflos gedichtet und im Zweifel vor keinem Kalauer zurückgeschreckt. Dazwischen reichten Königs (Gitarre) und Mono (Keyboard) passende Song-Häppchen unterschiedlichster Art. (…) Damit sich niemand sein Hirn zermartern musste, ließen Königs & Mono die jeweiligen Songtitel und Assoziationen in der Regel (…) geschickt in ihr launiges Zwiegespräch auf der Bühne einfließen. Vor allem Königs gelang es dabei überzeugend, die Illusion spontaner Dialoge zu vermitteln – über drei Jahrzehnte Erfahrung auf der Kabarett-Bühne, da hat man den Bogen raus. Die Premiere dieser ungewöhnlichen Mischung aus Comedy und Poetry à la Ingo Insterburg und Nostalgy war eine überaus gelungene. Brehms Tierleben kann da jedenfalls nicht mithalten.  

Günter Brandt, Leitplanke, Lippstädter Stadtmagazin 06/22